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Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen
Von: Hartmut Siemes
Verlag Hans Huber, 2009
In den Einkaufswagen Preis: 120.70 CHF
Die Behandlung der epileptischen Anfälle und Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen stellt Neuropädiater, Neurologen und Kinderärzte vor besondere Herausforderungen, nicht zuletzt durch die vielfältigen und komplexen Erscheinungsformen der Epilepsien bei Kindern. Die diagnostische und therapeutische Arbeit wurde zusätzlich erschwert durch die diagnostische Unschärfe früherer Klassifikationen. Dieses Buch stellt allen denen, welche Kinder- und Jugendliche mit epileptischen Anfällen oder Epilepsien medizinisch betreuen, umfassende aktuelle Informationen zur Verfügung: - hohe diagnostische Präzision durch das neue "Diagnostische Schema für Menschen mit epileptischen Anfällen und Epilepsien" - ausführliche differenzialdiagnostische Erwägungen - umfassende Darstellung und Vergleich der medikamentösen Optionen unter besonderer Berücksichtigung der besten verfügbaren Evidenz aus systematischer klinischer Forschung - Darstellung und Bewertung der modernen epilepsiechirurgischen Eingriffe bei Menschen mit pharmakoresistenten Epilepsien - Einschluss alternativer Behandlungsmethoden, insbesondere der ketogenen Diät - ausführliche Beschreibung der Prognosen und der psychosozialen Auswirkungen der Epilepsien. Das Buch enthält einerseits praktische Anleitungen und dient andererseits als umfassendes Nachschlagewerk für Kliniker. Es ermöglicht ärztliches Handeln nach dem gegenwärtigen Stand der Medizin.

26 Spezielle Betreuungsaspekte (S. 463-464)

26.1 Genetische Beratung

Epilepsie ist eine heterogene Störung des ZNS, die durch eine Vielzahl genetischer und nicht genetischer Faktoren verursacht wird. Es wird geschätzt, dass bei etwa 50% der Epilepsien genetische Einflüsse eine Rolle spielen. Der Vererbung nach den Mendel’schen Regeln (autosomal- dominant, autosomal-rezessiv, X-gebunden- dominant, X-gebunden-rezessiv) gehorchen nur wenige idiopathische Epilepsien, bei den übrigen ist kein einheitliches Vererbungsmuster zu erkennen.

Deren Vererbung ist komplex, d. h., mehr als ein Gen (oligene oder polygene Vererbung) ist an der Vererbung beteiligt. Die Risikovorhersage für die meisten Patienten und deren Familieangehörigen beruht deshalb auf epidemiologischen Studien, welche das Epilepsierisiko in Familien mit Epilepsieträgern untersucht haben. Das spezielle Risiko wird in der Regel mit dem Basiswert in der Bevölkerung verglichen, dieser beträgt bis zum Alter von 20 Jahren etwa 1% (Hauser et al. 1993). Aus zahlreichen epidemiologischen Studien ergibt sich für die Nachkommen eines Elternteils global (alle Arten von Epilepsien) ein Epilepsierisiko von 2 bis 5%. Das allgemeine Risiko bei Geschwistern und anderen Verwandten hat eine ähnliche Größenordnung.

26.1.1 Übersicht ber die epidemiologischen Beratungsgrundlagen

Ist die Epilepsie fakultatives Symptom einer hereditären Multiorganerkrankung mit Beteiligung des ZNS (Epilepsiekrankheit), so richtet sich die genetische Beratung nach der Grundkrankheit. Diese Gruppe mit etwa 200 bisher bekannten Krankheiten, welche meist monogen vererbt werden, machen zusammen lediglich etwa 1 bis 2% aller vererbten Epilepsien aus. In der Regel handelt es sich um Stoffwechselkrankheiten (z. B. nichtketotische Hyperglyzinämie), neurokutane Syndrome (z. B. Tuberöser Sklerosekomplex), neurodegenerative Erkrankungen (z. B. neuronale Zeroidlipofuszinosen), Fehlbildungen des ZNS (z. B. Lissenzephalie) und chromosomale Aberrationen (z. B. Down-Syndrom, Angelman-Syndrom).

Für viele dieser Krankheiten steht eine molekulargenetische Diagnostik zur Verfügung, die auch zu einer pränatalen Diagnostik genutzt werden kann. Die allgemeinen Beratungsaspekte der idiopathischen Epilepsien wurden in einigen Übersichtsarbeiten dargestellt (Beck-Mannagetta 1989, Doose 1993, Winaver u. Shinnar 2005). Abgesehen von den wenigen monogen vererbten Epilepsien wird in der Regel lediglich die Disposition zu epileptischen Anfällen vererbt, von einem Teil der idiopathischen Epilepsien wurden disponierende Genorte (susceptibility loci) und Gene gefunden.

Das Epilepsierisiko bei Geschwistern und beim Nachwuchs ist im Allgemeinen von mehreren Faktoren abhängig. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko: œ bestimmte Anfalls- bzw. Epilepsieformen. Hat der Proband myoklonische Anfälle oder Absencen, so ist das übertragene Epilepsierisiko höher (4 bis 8%bzw. 5 bis 9 %). Das Epilepsierisiko ist bei Verwandten mit generalisierten idiopathischen Epilepsien höher als bei Verwandten mit fokalen idiopathischen. ,

- Geschlecht des betroffenen Elternteils (sog. maternaler Effekt). Die Rate von betroffener Nachkommen mit Epilepsie ist bei Müttern mit Epilepsien höher als bei Vätern (2,8 bis 8,7% vs. 1,0 bis 3,6 %). ,
-  ,Erkrankungsalter des Probanden. Bei Eltern unter 20 Jahren ist das Epilepsierisiko der Kinder höher als bei Eltern über 20 Jahren (2,3 bis 6% vs. 1,0 bis 3,6 %). ,
-  ,Zahl der betroffenen Verwandten und wie nahe diese Verwandten mit dem Nachwuchs verwandt sind. Das Epilepsierisiko eines Geschwisters von einem Epilepsieträger steigt von 3% auf 8%, wenn ein Elternteil ebenfalls eine Epilepsie hat. ,
- epileptiforme Entladungen im EEG. Die erhöhte Anfallsbereitschaft einer Person lässt sich z. T. mittels des EEGs durch Nachweis epileptiformer Aktivität (generalisierte Spike- Waves, Fotosensibilität, multifokale Spikes bzw. Sharp-Waves) erkennen.
In den Einkaufswagen Preis: 120.70 CHF

 
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