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Ist das medizinische Personal impfmüde?
Einerseits Aufrufe zur Grippeimpfung, andererseits Impfabstinenz

In der Aerztezeitung.de fand sich vor Kurzem eine Meldung mit dem Titel "Saisonale Grippe: Impfmüdigkeit bei medizinischem Personal". Fast gleichzeitig kam der Aufruf des RKI "Jetzt gegen Saison-Grippe impfen lassen". Wie entscheidet sich das Personal im Gesundheitsbereich - nehmen in Zeiten der Schweinegrippe die Impfzahlen zu oder bleibt es bei der geringen Rate von weniger als einem Drittel Impfbereiten?

 

Hier lesen Sie die beiden Meldungen:

 

Saisonale Grippe: Impfmüdigkeit bei medizinischem Personal

Weniger als jeder dritte Beschäftigte im deutschen Gesundheitswesen lässt sich einer Studie zufolge gegen Grippe impfen. Die Autoren vom Universitätsklinikum Frankfurt / Main empfehlen daher, über eine Impfpflicht für Beschäftigte nachzudenken, die immungeschwächte Patienten betreuen. Außerdem kann die Pflicht für Nicht-Geimpfte, Mundschutz zu tragen, die Impfquote erhöhen.

 

Die Impfung gegen Influenza-Viren gelte als sicher und effektiv, schreiben die Autoren um Dr. Sabine Wicker. Zudem verhindere sie, dass Krankenhaus-Personal Grippe-Viren auf Patienten überträgt. Es müssten allerdings mindestens 50 Prozent der Beschäftigten geimpft sein, betonen die Verfasser, die vor allem Fachartikel zum Thema ausgewertet hatten (Dtsch Arztebl Int 106, 2009, 567).

 

Wer sich impfen lässt, tut dies in erster Linie, um sich selbst zu schützen, wie anonyme Fragebogenerhebungen am Frankfurter Universitätsklinikum ergaben. Zweitwichtigster Grund sei die Sorge um die eigene Familie, Freunde und Kollegen. Erst an dritter Stelle stand demnach die Besorgnis um die Patienten.

 

Die häufigsten Gründe, die von Impfverweigerern angeführt wurden, waren: Sie sahen kein Risiko für sich selbst, sie hatten Angst vor Nebenwirkungen und sie bezweifelten, dass der Impfstoff einen ausreichenden Schutz bietet.

Mit einer Dienstanweisung an alle ungeimpften Mitarbeiter, eine Mundschutzmaske zu tragen, konnte die Impfquote in der Grippesaison 2008/09 am Uniklinikum der Goethe-Universität erhöht werden: Innerhalb von zehn Tagen stieg die Durchimpfungsrate von 33 auf fast 58 Prozent.

 

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Jetzt gegen Saison-Grippe impfen lassen

Senioren, chronisch Kranke und Menschen mit viel Kontakt zu anderen sollten sich jetzt schon gegen die Wintergrippe impfen lassen. Dazu hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag in Berlin aufgerufen. "Die Impfstoffe stehen bereit, und es gibt keinen Grund, länger zu warten", sagte RKI-Expertin Silke Buda.

 

Einer späteren zusätzlichen Impfung gegen die Schweinegrippe stehe dadurch nichts im Wege. Die vergangene Wintergrippewelle war die stärkste seit vier Saisons. Ungewöhnlich war laut RKI vor allem der frühe Start der starken Influenza-Welle bereits im Dezember 2008.

 

Insgesamt zählte die am RKI angesiedelte Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) während der Grippesaison 2008/09 mehr als 4,2 Millionen zusätzliche Arztbesuche. 1,68 Millionen Menschen zusätzlich mussten sich krankschreiben lassen - und fielen im Schnitt eine Woche lang aus. 18 700 Patienten über das Normalmaß hinaus wurden sogar ins Krankenhaus eingewiesen, das Gros davon war 60 Jahre und älter. "Insgesamt erkranken ältere Menschen zwar seltener, aber die Verläufe sind oft schwerer", erläuterte Brunhilde Schweiger vom Nationalen Referenzentrum für Influenza am RKI.

"Wir müssen damit rechnen, dass im Herbst auch die Fälle der Neuen Grippe wieder zunehmen", sagte RKI-Präsident Professor Jörg Hacker. Nach einem ersten Höhepunkt der sogenannten Schweinegrippe im Juli gebe es derzeit weniger Neuerkrankungen pro Woche - zuletzt waren es deutschlandweit 238. "Nach wie vor ist der größte Teil davon im Zusammenhang mit Reisen zu sehen." Allerdings sei der Anteil der in Deutschland erworbenen Infektionen auf 25 bis 30 Prozent gestiegen. Impfempfehlungen für die Schweinegrippe werden laut Hacker in den nächsten Tagen von der Ständigen Impfkommission veröffentlicht. Die frühzeitige Impfung gegen die saisonale Grippe ist nach Aussagen der Experten auch wichtig, damit sich durch eine mögliche Doppelinfektion mit beiden Viren keine für den Einzelnen und für die Gemeinschaft gefährlichen Mutationen bilden können.

 

"Es ist wichtig, dass wir die Grippeentwicklung über das gesamte Jahr hinweg beobachten", betonte Hacker. Bis zu diesem Frühjahr sammelte und veröffentlichte die AGI vor allem im Winterhalbjahr Daten zur Grippe. Künftig werden die Beobachtungspraxen in Deutschland ganzjährig ihre Meldungen ans RKI abgeben. "Das ist für eine Pandemie-Planung auch unerlässlich", sagte Buda. Bislang waren an der Arbeit der AGI indirekt auch vier Pharmaunternehmen beteiligt, was mehrfach Kritik hervorgerufen hatte. Künftig ist die Arbeitsgemeinschaft allein am RKI angesiedelt und wird ausschließlich staatlich finanziert.

 

Weitere Informationen beim RKI >>

Quelle: Aerztezeitung / Robert-Koch Institut

Veröffentlicht: 2010-11-10

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