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Teil II Bericht der Irchel-Tagung 2009 "Heraus aus dem Pflegenotstand" der SGGP

Workshop A  "Die Sicht der Patientinnen und Patienten" unter Leitung von Erika Ziltener


Als wichtigster Faktor bei der Beeinflussung des Pflegenotstandes wird der fehlende Einbezug der Patienten gesehen. Fehlendes Wissen und mangelnde Gesundheitskompetenz bei den Patienten werden als Problem gesehen.
Es wurde festgehalten, dass die Pflegepersonen selber kritischer werden müssen und dass es mehr Vernetzung untereinander braucht.

 

Workshop C "Die Situation in den Heimen - wie sieht es wirklich aus? Dr. Gustav Egli

 

pflegepuppen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Egli hatte von seinem Pflegeteam den Auftrag zur anschaulichen Darstellung der Situation die beiden Puppen vorzustellen (Foto oben). Sie stehen für eine Person die Pflege benötigt und eine die sie bieten kann, die aber vielleicht bald nicht mehr da ist.

 

Egli spricht zunächst die komplizierte Ausbildungssituation an die es für alle schwierig macht. Er stellt weiter fest, dass er es, im Gegensatz zu E. Wandeler, begrüsst, wenn Personal aus dem Ausland rekrutiert werden kann. Er hat beispielsweise gute Erfahrungen mit tschechischem Personal gemacht. Das Bethesda, dessen Direktor Egli ist, braucht  heute viel mehr Geld für Rekrutierung und Temporärbüros als früher.

 

Als weiteres Spannungsfeld wird die zunehmende Schwierigkeit angesprochen, die Anforderungen von Bewohnern und Angehörigen in Einklang zu bringen mit dem was möglich ist mit dem relativ hohen Anteil an schlecht ausgebildetem Personal in den Teams.
Viel Zustimmung findet das Votum, dass Langzeitpflege immer noch das Image hat, dass das ja jede und jeder machen könne.

 

Es wurde weiter festgestellt, dass auch Kosten verursacht werden indem zu wenig gut ausgebildetes Personal in den Heimen arbeitet und so Komplikationen nicht rechtzeitig erkannt und verhindert werden, die dazu führen, dass die Patienten dann ins Akutspital müssen.

 

Es findet eine Diskussion statt um den Skillmix 40 / 60 (60% Personal mit wenig Ausbildung) und um die Frage, ob es wirklich nötig ist, dass ungelernte Arbeitskräfte in der Langzeitpflege beschäftigt werden.
Egli versteht nicht, warum der grosse und wachsende Bevölkerungsanteil der alten Menschen keine Lobby zustande bringt. Er vergleicht sie mit den 2% Landwirten in der Schweiz die durch ihre starke Lobby sehr viel erreichen. Die Pflege ist der beste Wachstumsmarkt den er als Ökonom je erlebt hat, aber der Gewinn dieses Marktes wird nicht als solcher gesehen und benannt. Es  werden immer nur die Kosten thematisiert.

 

Weiter wird die Frage besprochen, wie mit den Berufsgruppen FA SRK, FaGe und FaBe umgegangen werden soll. Der Zwiespalt zwischen dem Anspruch einer qualitativ gute Pflege und Betreuung und dem vorhandenen Personalangebot wird immer grösser.
Ein Vertreter von H+ gibt bekannt, dass die FaGe zukünftig im Langzeitbereich spezifisch weitergebildet werden sollen um sie so, ohne dass sie den Bereich wechseln, zur Tertiärstufe hinzuführen.

 

Dr. Egli macht eine Umfrage unter den Workshop-Teilnehmenden und die Mehrheit schliesst sich seiner Meinung an, dass sich eine Krise beim Personal anbahnt, aber momentan noch keine Extremkrise herrscht.

Zur Frage, wie es mit dem Personalsituation aussieht, wird erhoben, dass ca. 2/3 der Anwesenden erwarten nach den Sommerferien offene Stellen zu haben die schwierig zu besetzen sein werden.
Zustimmung findet auch das Votum, dass die Verantwortung die die Betriebe heute bei der praktischen Ausbildung von FaGe und FaBe haben oft noch nicht erkannt wird. Die Institutionen müssten von der Politik stärker unterstützt werden bei der Übernahme dieser Ausbildungsverantwortung.


Als nötige Massnahmen werden festgehalten:

  • mehr stufenübergreifende Weiterbildung
  • bessere Präsentation des wachsenden Gesundheitsmarktes mit seinen Gewinnchancen in der Öffentlichkeit
  • mehr Transparenz bei den Heimen
  • bessere Personalpflege (Weiterbildung, Handlungsspielraum und Verantwortung)
  • Heimberufe müssen sich positiver darstellen und müssen mehr fachlich fundiert arbeiten
  • Arbeitskräfte müssen ressourcenorientiert eingesetzt werden
  • Pflegesupport aufbauen mit gut ausgebildeten Personen
  • mehr Innovation z.B. bei der Überbrückungspflege, Verträge mit Spitälern, Ferienpflege etc.
  • Attraktivitätssteigerung durch Aktivitäten wie "Seitenwechsel" etc.
  • bessere Erfassung der Pflege- und Betreuungsleistungen
  • aktivere Rolle einnehmen in der Politik
  • Führungsmängel in manchen Institutionen erkennen und beseitigen


Workshop E "Eine Lernende, eine erfahrene Pflegefachfrau und eine Aussteigerin diskutieren"


Hier wird u.a. festgestellt, dass es neue Arbeitszeitmodelle braucht die z.B. älteren Pflegenden entgegen kommen. Eine Entlastung vom administrativen Aufwand wäre hilfreich. Auch in dieser Gruppe wird gefordert, dass die Pflegenden selber politischer werden und sich mehr einbringen.

 


 

Es folgt der Vortrag von Sarah Frey und Marcel Rüfenacht vom Verein Spitex Bern zum Thema "Praxisbeispiel Spitex gegen den Pflegenotstand"


M. Rüfenacht stellt zunächst den Verein Spitex Bern vor. Auch hier wird festgestellt, dass die Rekrutierung von Personal tendenziell schwieriger wird. Dei Personalerhaltung, auch Retentionmanagement genannt, wird daher in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Spitex Bern macht eine prospektive Personalplanung und gibt der Arbeitsmarktpositionierung einen hohen Stellenwert.


Ebenso wird besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und Qualifizierung des Personals gelegt. S. Frey stellt im Anschluss detailliert die Massnahmen vor, die die Spitex Bern ergreift, um die Arbeitszufriedenheit des Personals zu steigern. Beispielsweise werden verschiedene Aktivitäten zur Teambildung durchgeführt, es gibt so genannte Frings Benefits als "Dankeschön" für die Leistung die laufend erbracht wird und es werden E-Bikes zur Verfügung gestellt. Der ressourcenbezogene Einsatz ist als eine der wichtigsten Massnahmen herauszustellen.
Gute Erfahrungen wurden mit Aktivitäten zur Personalrekrutierung im Raum Berlin gemacht. Kapazitätsengpässe werden mit einem Pool von fest- und nicht fest angestelltem Personal und durch Personalaustausch mit anderen Betrieben überbrückt.

 

Die Spitex Bern wird den Weg zur Excellence weiter gehen und legt auch den anderen Organisationen nahe in diesem Bereich grössere Anstrengungen zu unternehmen um so die Attraktivität der Gesundheitsberufe in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

 

Der letzte Vortrag des Tages wird von Regierungsrätin Heidi Hanselmann gehalten. Sie stellt "Politische Massnahmen gegen den Pflegenotstand" vor

 

Nach einer Einführung und der Darstellung der Ausgangslage zeigt Hanselmann auf welche Massnahmen von Bund, Kantonen und sggp-tagung-2009_plenumInstitutionen ergriffen werden. Nötig ist eine schweizweite Strategie, der jedoch die verschiedenen, vor sich hin wuchernden, Kantons- und Institutions-Gärtchen oft entgegenstehen.

 

Als Massnahme des Bundes ist die grosse Bildungsreform zu nennen. Seit der Einführung der Hochschulausbildung sind die Gesundheitsberufe keine Sackgassen mehr und die Attraktivität ist dadurch gestiegen. Die internationale Vereinheitlichung erleichtert auch die Anerkennung ausländischer Diplome.

 

Aufgabe der Kantone ist nun, innerhalb der vorgegebenen Struktur die Ausbildungspläne zu vereinheitlichen. Die Kantone haben die Möglichkeit durch eine angemessene Ausbildungsabgeltung an die Institutionen positiv auf die Ausbildungszahlen einzuwirken.


Hanselmann stellt die Gefässe vor, die dem Kanton St. Gallen für Veränderungen zur Verfügung stehen. Dies sind das "Forum Pflege", weitere Arbeitsgruppen und Sitzungen der Gesundheitsdirektion mit Pflegedienstleitungen und Berufsvertretungen. Hier findet eine gewünschte Vernetzung statt, die als Ziel hat das Image der Gesundheitsberufe zu verbessern.


Auch auf der Ebene der Institutionen sind Massnahmen nötig, so ist u.a. dafür zu sorgen, dass eine gute Infrastruktur vorhanden ist.

Fazit: Es braucht Anstrengungen auf allen Ebenen um einen Pflegenotstand abzuwenden bzw. abzudämpfen.

 


 

Es folgte eine Zusammenfassung durch den Tagungsleiter in der nochmal die genannten Massnahmen gegen einen Pflegenotstand genannt wurden. Die Tagung wurde mit einer angeregten Podiumsdiskussion abgeschlossen.

 

 



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